1. Was sind Schimmelpilze?

Schimmelpilze sind Mikroorganismen, die in der Natur in riesiger Artenvielfalt vorkommen. Eine ihrer wichtigsten Funktionen ist die Zersetzung organischer Materie - kein Komposthaufen könnte ohne sie funktionieren. Auch im Erdboden helfen sie mit, organische Humusbestandteile zu zersetzen und dabei pflanzenverfügbare Mineralien bereitzustellen. Schimmelpilze vermehren sich durch die Produktion riesiger Mengen winziger (mit dem Auge nicht sichtbarer) Sporen, die überall auf der Erde in der Luft zu finden sind. Für Wachstum und Vermehrung benötigen Sporen und Pilze viel Feuchtigkeit. Einige Schimmelpilzarten können auch in Häusern gedeihen, wenn es dort ausreichend feucht ist - zum Beispiel in Blumentöpfen und Hydrokulturen. Aber auch an feuchten Stellen in der Wohnung kann Schimmel wachsen - etwas auf organischen Materialien wie Tapeten, Holz, Kunststoffen oder Hausstaub. Wegen der durch Schimmelpilzbefall drohenden  Gesundheitsgefahren (u.a. Allergien, Erkrankungen von Atemwegen) sollte man konsequent gegen erste Anzeichen von Schimmel in der Wohnung vorgehen. Schimmelbekämpfung kann nur dann erfolgreich sein, wenn es gelingt, die Feuchtigkeit zu besiegen. Dazu müssen die wichtigsten Feuchtequellen verstopft werden. Und jeder Bewohner muss erkennen, dass die Luft bei der Schimmelvorbeugung und -sanierung eine ganz zentrale Rolle spielt. Denn Luft enthält immer Feuchtigkeit, aber unterschiedlich viel.

2. Problem Feuchteraum (Bad, Waschküche, Küche)

Wohnräume, in denen viel Wasser verwendet wird (z.B. Wäschetrocknen, Kochen und Duschen) sind besonders schimmelgefährdet und erfordern gezieltes Handeln:

  1. In den Abfluss statt in die Luft. Verhindern Sie, dass unnötig viel Wasser in der Wohnung verdunstet. Mit einer Gummilippe (wie sie professionelle Fensterputzer verwenden) ist es kinderleicht, direkt nach dem Duschen einen Großteil des Wassers von den gefliesten Wänden abzustreifen und in den Abfluss zu befördern. Beim Wäschetrocknen zahlt es sich aus, eine Waschmaschine mit hoher Schleuderdrehzahl zu verwenden.
  2. Lüften. Während des Duschens oder Kochens sollten Sie die Verbindungstür zur Wohnung geschlossen halten. Direkt nach dem Duschen/Baden oder Kochen am besten sofort das Fenster öffnen, damit möglichst viel feuchtwarme Luft sofort entweichen kann, bevor Tauwasser an kalten Oberflächen kondensiert. In Küchen sind Dunsthauben im Abluftbetrieb empfehlenswert (Umluftbetrieb hilft bei der Feuchte-entfernung nicht). In Räumen, in denen regelmäßig Wäsche trocknet, sollte in der kalten Jahreszeit häufiger als dreimal täglich gelüftet werden, im Sommer ist Dauerlüftung oder Trocknen im Freien sinnvoll.
  3. Richtig heizen. Feuchträume sollten nie die kältesten Räume in der Wohnung sein. Im Gegenteil: Es empfiehlt sich, vor allem das Badezimmer am wärmsten zu halten.
  4. Heizen und Lüften kombinieren. Nach dem Duschen oder Kochen sollten Sie die Türen der Feuchträume geöffnet halten. Dadurch kann die Feuchtigkeit sich auf andere - beheizte - Räume in der Wohnung verteilen. Auf diese Weise werden zu hohe Feuchtigkeitswerte an Problempunkten vermieden. Motto: Besser überall etwas Feuchtigkeit als an einer Stelle zu viel. Dies klappt aber nur in Kombination mit optimaler Lüftung.
  5. Problem. In fensterlosen Bädern die Lüftungsvorrichtung kontrollieren. Absauggitter und Lüftungsöffnungen in der Tür reinigen. Unterstützt ein Gebläse die Lüftung, muss es nach dem Duschen ausreichend lange nachlaufen.
  6. Dichten. Verpilzte Silikonabdichtungen zu entfernen, ist für handwerklich begabte Laien möglich. Im Baumarkt sind chemische und mechanische Hilfsmittel erhältlich. Auf Arbeitsschutz achten. Vorsicht: Dabei nicht mit scharfen Werkzeugen zu tief in die Eckfugen hinein stechen oder -schneiden, damit die unter den Fliesen liegende Abdichtungsschicht nicht zerstört wird. Anschließend mit Silikon ausspritzen. Verwenden Sie für den Spritzwasserbereich spezielles Sanitärsilikon, das pilzbekämpfende Wirkstoffe enthält (Fungizide). Anderswo in der Wohnung sollten Sie aber besser nur normales Silikon verwenden.

 

3. Problem kühler Raum

Häufig spürt man die Schimmelpilze in relativ kühlen Nebenräumen, in Vorfluren und vor allem in Schlafzimmern auf, die kühl gehalten werden. Der Grund ist Feuchte, die mindestens auf zwei Wegen in den Raum gelangt. Erstens, weil Schläfer sehr viel schwitzen (bis zu ein Liter Wasser pro Nacht). Und zweitens, weil Feuchtigkeit auch durch die Tür herein kommt, wenn feuchtwarme Luft aus anderen Teilen der Wohnung in den Schlafraum dringt.

  1. Aufspüren. Suchen Sie in kühlen Räumen gezielt nach Schimmelpilzen. Am häufigsten wird man dort fündig, wo es feucht und kalt ist. Zum Beispiel an Außenwänden hinterm Schlafzimmerschrank, versteckt unter dem Vorhang oder - besonders heimtückisch - hinter der Tapete, Wandverkleidung oder Scheuerleiste.
  2. Türen zu. Wer den Schlafraum und Nebenräume niedriger temperiert als die übrige Wohnung, darf die Verbindungstüren nicht ständig offen lassen.
  3. Nebenräume sind keine Nebensache. Beim Lüften müssen alle kühlen Räume voll einbezogen werden.
  4. Kältefalle Schlafzimmer. Wer möchte, darf natürlich weiterhin bei offenem Fenster schlafen. Aber Zumindest tagsüber sollte das Schlafzimmer dann auf 16 bis 18 Grad Celsius erwärmt werden, damit ausreichend viel Feuchtigkeit (vor allem aus dem Bett) in die Luft gelangen und beim Lüften aus dem Fenster entweichen kann.  Aber: In der kalten Jahreszeit wirkt diese Schlafzimmernutzung (tagsüber heizen - nachts auskühlen) energieverschwendend. Ein Kompromiss kann das Abstellen der Heizung über Nacht und Lüften vorm Ins-Bett-Gehen sein.